Die Träumer und ihre Träume I

Was träumt man in Extremsituationen … oder kann man überhaupt träumen?

 

Mey

„Ich träumte, dass ich auf der Erde gehe, die sehr klein geworden ist, sie schrumpfte, es war fast alles leergefegt. Gefüllt mit Schlamm, faulen Algen und Sümpfen. Ich erreiche einen Platz, der eine breite Strecke von Wüste, Sümpfen, Schlamm und Farben zwischen faul grün, braun und in Richtung schwarz war. Das Wetter ist heiß, die Sonne ist hell, es scheint der Nachmittag zu sein. Das Schweigen ist auffallend, und der Geruch des Nichts füllt den Platz. Es ist so hässlich, dass es dir den Atem verschlägt.

Im Teich spielten Kinder, die mit langen Unkräutern gefüllt sind. Sie tauchen hinter den Unkräutern auf, die hinter ihnen eine schwimmende Leiche ziehen und sie spielten mit ihm. Es gab noch andere Leichen, die sich in der Gegend umgaben, und für sie war es etwas ganz normales und ein unterhaltsames Spiel.“

Seit einigen Jahren erforscht Mey Seifan die bewusste und unbewusste Ebene, sowie den möglichen Raum dazwischen. 2011 rief sie das „Syrian Dreams Projekt“ ins Leben, wobei sie Träume syrischer Bürger archiviert, welche als Basis für Ihre Projekte dienen. Teil ihrer langjährigen Arbeit in Damaskus war das Gründen und leiten eines internationalen Tanzfestival am Opernhaus. Momentan pendelt sie zwischen München und Berlin.

 

Adham

„Ich träumte von dem Ende der Welt – ständig. Die meiste Zeit wenn ich träume, ist es von der Apokalypse; die Welt endet nicht vollständig, jedoch ist sie zum Größtenteils zerstört, und die Menschen und andere Lebewesen versuchen sich an das neue Chaos zu gewöhnen, an den Schmerz und die ewigen Verseuchungen.“

Adhan Hafez lebt in Kairo, beschäftigt sich mit Praxis und Theorie von Ritualen, ortsspezifischen Projekten, choreografischen Systemen, körperbezogener Dramaturgie, Kulturpolitik und neuartigen künstlerischen Hybriden. Einen Großteil seines künstlerischen Wirkens hat er mit seiner Arbeit an der Adham Hafez Company in Ägypten, im Nahen Osten und in Europa verbracht. Er erhielt einen MDA für Choreografie an der AHK (Hochschule für Theater Amsterdam).

Er ist der Gründer und Programmleiter von HaRaKa, dem ersten Bewegungs- und Performance Research Projekts in Ägypten. Adham ist künstlerischer Leiter der „TransDance“ Festival Serie und Gründer von „Cairography“, der ersten Publikation in Ägypten, die Kritiken über Choreografie und Performance veröffentlicht. Er ist das erste Ägyptische Mitglied bei der Internationalen Gesellschaft für darstellende Kunst (ISPA – New York) und erhielt Ehrungen und Verdienste als Choreograf und Musiker von der Bibliotheca Alexandrina, Helwan University.

Adham wurde zum „Jungunternehmer des Jahres 2008 für darstellende Kunst“ vom British Council gekürt und ist Stipendiat und Mitglied der International Society of Performing Arts (New York) und UNESCO’s International Dance Council (Paris /Athen).

Derzeit unterrichtet er zeitgenössischen Tanz und Performance Theorie an der Amerikanischen Universität in Kairo und finalisiert das erste Buch über die Vermittlung von Körperarbeit und Tanzausbildung in der Arabischen Welt, das 2013 herausgebracht veröffentlicht wurde.

 

David

“Ich war in der Wüste und kurz vor dem Verdursten. Es gab ein Glas Wasser, aber im Wasser schwamm ein Fisch.”

David Hermann studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Komparatistik, zuletzt am University College in London, wo er seinen Master of Arts in Vergleichender Literatur 2010 absolvierte. (MA in Vergleichender Literatur 2010).

Er komponiert seit 2000 für verschiedene Film- und Fernsehproduktionen und ist seit 2015 professioneller Filmkomponist in Berlin. 2015 gründete er zusammen mit Thomas Resch die Firma „Windhouse Compositions“. Zur Zeit arbeitet er an zwei Dokumentationen für die Fernsehsender ARD und ARTE.

 

Mert

“Ich erzähle meiner Schwester wie 64-Bit Computern funktionieren. Das bringt mich zu der Idee, diese Funktionsweise als eine Traum-Funktion künstlerisch darzustellen. Ein träumenden Computer. Ich stelle mir dann vor, dass eine kleine, Handgroße Person in dem Rechner sitzt und rechnet in dem er 64 schwarze oder weiße Knöpfe in unterschiedlichen Kombinationen an und ausschaltet. Noch im Traum überlege ich diesen Traum im Theater zu präsentieren.“

Danach bin ich in meiner alten Schule unterwegs mit einem ehemaligen Freund, der sehr groß ist. Wir laufen durch eine Ausstellung von Schülern, wo die Arbeiten sich zwischen dem Boden und der Decke strecken. Sie hängen von der Decke oder sind hochgezogen von Luftballons die fest am Boden geschnürt sind. Meinem Freund, der gerade mit seiner Freundin gestritten hat, empfehle ich dass er sich eine Weile zwischen diesen hoch gestreckten Werken versteckt und Ruhe findet. Er ist ja auch so groß und schlank und wird dort unbemerkt bleiben. Danach nehme ich eine Arbeit von einem Zeppelin und schleudere es durch den Klassenzimmer, wobei der Schüler es gebaut hat sich wundert, wie die Arbeit sich von der Ausstellung aufgelöst hat.”

Mert Akbal ist bildender Künstler und Forscher. Als freier Künstler schafft Werke, die sich mit den kognitiven Prozessen auseinandersetzen. Dabei stehen die künstlerische Darstellungen von Oneirophrenischen Träumen besonders im Fokus. Als Forscher ist er an zwei Instituten als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt: an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken und an dem Max Planck Institut für Human Cognitive Sciences (mit der Arbeitsstelle Humboldt Graduate School Berlin School of Mind and Brain).

 

Ziad

„Ich fand mich in Damaskus, aber die Straße war länger und anders. Es gab Läden am Nebengang und eine lange Schlange, die kein Ende hatte. Die Gruppe, mit der ich war, sagte mir, dass die Leute auf das Essen warten, und dass es ein Geschäft am Ende der Straße gab, die das Essen verteilte. Die Leute sahen wirklich traurig aus, gebrochen und verzweifelt, ihr Blick war niedergeschlagen, niemand sah den anderen an, und da waren Frauen und Kinder, und da waren Leute, die ihre Gesichter verbargen, damit andere sie nicht sehen konnten. Wir gingen zur Schlange, die Straße wurde breiter, es sah aus wie eine Autobahn und wir erreichten ihr Ende. Es gab einen grünen Bereich, Berge und viele Busse mit dem „Ministerium für Tourismus“ draufgeschrieben und die Leute starrten auf sie. Die Gruppe, mit der ich war, sagte mir, dass es kein Essen gab und die einzige Lösung war, dass sie fliehe mussten sonst würde der Staat sie alle deportieren. Es gab keine Gewalt oder Spannung, das Wetter war sehr angenehm, die Busse organisiert und warteten ruhig. Als „Besucher“ musste ich in keinen der Busse steigen. Ich gehe allein, sagte ich mir, und ich war aus dem Land. Dann wachte ich auf“.

Ziad Adwan: Theatermacher, Dramaturg und Schriftsteller. Er promovierte über „Mistakes in Theatre“ am Royal Holloway in London. Arbeitete als Dozent am Theatre Institute in Damaskus. Ziad spielte in mehreren Stücken, Kinofilmen und als Direktor für Theaterstücke.

Er schreibt für arabische Zeitschriften über Theater und Film und veröffentlichte mehrere Forschungsarbeiten, unter anderem in „New Theatre Quarterly“. Seit 2015 betreibt er Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

 

Hiba

Hiba Al Ansari wurde 1983 in Syrien geboren und lebt in München und Berlin. Hiba studierte an der Ismail and Walid Ezzat Institut der feinen Künste Damaskus von 2005 bis 2008, im Skulptur und Malerei Department. Danach studierte sie von 2007 bis 2012 an der Akademie der feinen Künste in Damaskus, wo sie sich auf Ölgemälde spezialisierte. In 2017 erhielt sie ihren Master of Fine Arts, Sculpture Department an der Akademe der feinen Künste in München. Hiba stellte ihre Kunst vor allem im mittleren Osten und Europa, wo sie an mehreren unterschiedlichen Gruppen mitwirkte. Ihre erste Solo Ausstellung „Despots of Presence“ war Teil der Expo 2015 in München und war Teil der Gruppenausstellung „Syria off frame“ in der Biennale die Venezia in 2015.

 

Shadi

Ich besiegte das gruselige Monster als ich realisierte das ich träumte. Doch als unsere Augen sich trafen, realisierte ich… das es nur ich war.“

Geboren in Damascus, lebt Shadi Ali nun in Stockholm, Schweden. Sie studierte fünf Jahre lange an der Damascus High Institute of Music / Opera Department. Sie ist eine Sänger-Songwriterin, Performerin und Voice Over Künstlerin und Voice Coach. Sie ist Lead Sängerin und Songwriter der syrischen Rock Band „Gene“ von 2005 bis 2011. Sie spielte die Escamillo in dem Stück „La Tragedie de Carmen“ (basiert auf George Bizet’s „Carmen“) 2008 in Damaskus. Sie spielte im Theaterstück „the Small Rooms“ in Beirut und Amman in 2013. Zudem performte sie und machte Musik für das Stück „Above Zero“ mit der „koon theatre company“, 2014 in Beirut. 2016 war sie als Orientale Sängerin mit dem Ornina Orchestra in Luxembourg tätig.