Syrian dreams Project

„Syrian Dreams Project“ ist ein interaktives Kunstprojekt, das seit 2011 die Nachtträume der Syrer während der Revolution sammelt, archiviert und sie als Grundlage für Kunstprojekte nutzt.

…unsere Aufmerksamkeit und Erfahrung bezüglich Syrien wurde auf die Realität des Krieges reduziert. Das ist Fakt! Aber ist das alles?

Um dieser brutalen Realität zu begegnen, haben wir ein Projekt initiiert, welches Träume und Kunst verbindet. Mit dem Ziel, künstlerische Projekte zu kreieren, welche auf Träumen von Syren basieren, die in zerstörten Städten / Camps / unter Beschuss / unter freiem Himmel / in Gefangenschaft schlafen.

Dieses Projekt möchte Licht auf die Syrische Erfahrung werfen, die nach wie vor humane Fragen, kollektive Modelle and psychologische Zustände aufwirft, über die Grenzen des Krieges hinaus.

 

HINTERGRÜNDE

Der Hintergrund des Syrian Dreams Project ist ein persönlicher.

Mey Seifan interessiert sich in hohem Maß für Träume, schreibt ihre eigenen seit langer Zeit auf und beobachtet sie. Ihr Interesse beschränkt sich dabei nicht nur auf die Traumwelt an sich, sondern gilt auch der Kontrollierbarkeit von Träumen (luzides Träumen). Nach dem Beginn der syrischen Revolution im März 2011 stellte sie gravierende Änderungen bei ihren Traumverläufen fest.

Sie wollte herausfinden, ob die Menschen in ihrer Umgebung ähnliche Erfahrungen aufzuweisen hatten. Aus den Rückmeldungen, die sie erhielt, entstand die Idee des Traumarchivs. Zu einer eigens gegründeten Facebook-Gruppe lädt sie seit 2011 Syrer ein, ihre Träume aufzuschreiben und zu posten, um einen Austausch über die Träume an sich und vor allem die Auswirkung der Revolution darauf zu ermöglichen.

Mittlerweile umfasst die Sammlung über 300 Träume, aus denen seit 2011 eine Parallele zur Entwicklung der Syrischen Revolution abzulesen ist. Ging es anfangs um Euphorie, Hoffnung, Angst vor Verhaftung, Verfolgung, Fliegen und Fallen, standen 2012 Schockstarre und Machtlosigkeit im Vordergrund.

2013 beschäftigten sich die Träumenden nicht mehr mit persönlicher Verfolgung, sondern mit Luftangriffen und Krieg. Dem folgten 2014 Träume von ISIS und von Schlachtszenen. Inzwischen geht es um verlorene Heimat, die Flucht, die Möglichkeit einer Rückkehr nach dem Krieg und den Geruch vom „Nichts“.

 

WOZU

Erinnerung ist subjektiv. Sie findet statt im konzentrierten Nachdenken, Aufschreiben, Erzählen, aber genauso gut in plötzlich auftauchenden Bildern, Vorstellungen – und Träumen.
 Werden sie bewahrt und der Nachwelt zugänglich gemacht, bilden sie ein Teil der Mosaiksteine, die nötig sein werden, um eine bittere Ära der syrischen Geschichte für die kommenden Generationen erleb- und begreifbar zu machen.  

Die syrische Revolution hat sich überwiegend auf eine bürokratisch anmutende „Leichenzählung“ reduziert. In der westlichen Welt entstanden Klischees zu Bürgerkrieg, ISIS und Flüchtlingsproblematik. Das mediale Erscheinungsbild der Politiker Assad und Putin lässt zwischen Schurken- und Heldentum keine Schattierungen mehr zu. Unterschiede zwischen dem Regime der Al Kaida und Isis treten nicht zu Tage.

Damit würde jedoch ein Stück der Geschichte dieses Landes und seiner wohl größten Katastrophe in diesem Jahrhundert verloren gehen.

Persönliche Erinnerungen sind auch eine unverzichtbare Quelle – nämlich immer dann, wenn die Zerstörung durch Krieg und Chaos auch vor den schriftlichen und medialen Überlieferungen nicht Halt macht.

 

Mit den persönlichen Erlebnisberichten treten Menschen, die von ihrer Natur und ihren Lebensumständen her eigentlich nicht dafür vorgesehen waren, für einen – wenn auch nur kurzen Moment – aus der Anonymität heraus und füllen als Zeitzeugen den leeren Raum, den Krieg und Chaos hinterlassen haben.